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Religiöse Wochenendveranstaltungen für Soldatenfamilien

Gemeinsamer Gottesdienst beim Familienwochenende, Archivbild. Foto: KMBA / Karolin Schneck

Gemeinsamer Gottesdienst beim Familienwochenende, Archivbild. Foto: KMBA / Karolin Schneck

Die Katholische Militärseelsorge bietet Familienwochenenden für Soldatenfamilien an, die häufiger als andere Berufsgruppen von Fernbeziehungen und Abwesenheit eines Elternteils belastet werden. Die Wochenenden bieten die Möglichkeit, viel Zeit miteinander zu verbringen, sich zu erholen und Kraft zu tanken für den Alltag. Sie werden durch Seelsorgerinnen und Seelsorger geistlich begleitet.

Bitte informieren Sie sich bei Ihrem Katholischen Militärpfarramt über die nächsten Termine.

Was passiert bei so einem Familienwochenende?

Einen Überblick bietet der folgende Artikel über das Familienwochenende des Katholischen Militärpfarramtes Mayen in Speyer, das im Juli 2015 stattfand. Es stand unter dem Thema "Wer die Wahrheit sucht, sucht Gott. Auf den Spuren Edith Steins".

Flaschenpost nach Kosovo

Ein Wochenende der Katholischen Militärseelsorge für Soldatenfamilien

„Hevenuh Sha-a-lo-o-m Aleichem“ – rhythmisch hallt der Gesang durch den Saal. Mütter, Väter und Kinder stimmen ein in das hebräische Volkslied, das: „Wir wollen Frieden für alle“ bedeutet. Es ist Freitag am späten Nachmittag. Die Familien sitzen in einem großen Kreis und das Singen wird immer kräftiger. Es ist, als ob der Alltag und die Sorgen der Woche in diesem Moment von ihnen abfallen würden. Jetzt ist Entspannung angesagt, und Spaß mit den Anderen und Kennenlernen einer neuen Stadt.

Spaziergang am Rheinufer während des Familienwochenendes. © KS / Barbara Dreiling

Spaziergang am Rheinufer während des Familienwochenendes. © KS / Barbara Dreiling

Dreißig Väter, Mütter und Kinder sind in der Jugendherberge Speyer zum Familienwochenende der Katholischen Militärseelsorge zusammengekommen. Sie wohnen alle im Umkreis des Militärpfarramtes Mayen und mindestens ein Elternteil ist Soldatin oder Soldat der Deutschen Bundeswehr. Das jüngste der Kinder ist acht Wochen alt, das älteste ist sechzehn.

Gemeinschaft bilden

Für die meisten ist das Familienwochenende ein fester Punkt im Kalender. Wiedersehen, sich unterhalten und etwas gemeinsam erleben gehört dazu. Zwar können das die Väter und Mütter als Kameraden an den Standorten Daun, Kastellaun, Gerolstein und Mayen auch tun. Aber hier sind sie als Freunde und als katholische Militärgemeinde zusammengekommen. Militärpfarrer Michael Kühn und Pfarrhelferin Brigitte Warner haben das Wochenende organisiert.

Bei der zweiten und dritten Runde des Kanons ist die Scheu verschwunden und alle singen lautstark mit. Kein Drill, kein Befehlston stört sie an diesem Wochenende und mit dem Feldanzug haben die Väter und Mütter auch ihre Rangabzeichen zuhause gelassen. Das Familienwochenende ist eher „eine Chance, Familien zusammenzubringen, dass sie sich kennenlernen, dass sie so ein Stück Gemeinde und Gemeinschaft bilden“, erklärt Militärpfarrer Kühn. Dadurch, dass sie als Soldaten in der gleichen Lebens- und Berufssituation seien, können sie einander auch Halt geben, fügt er hinzu.

Alleinerziehend

Das wissen auch Michael und Christina Ternes. Das Paar ist mit seinen drei Söhnen zum Wochenende nach Speyer gekommen. Nach Dienstschluss in der Kaserne in Gerolstein hat Michael Ternes den grünen Flecktarn gegen kurze Hose, Achselshirt und Turnschuhe getauscht. Auf der zweistündigen Autofahrt erzählt er, dass er die Menschen verstehen kann, die vom Balkan nach Mittel- und Westeuropa flüchten und in Deutschland leben und arbeiten wollen. Denn der Hauptfeldwebel der Bundeswehr war insgesamt sechs Mal für mehrere Monate bei der KFOR-Truppe im Kosovo stationiert.

"Den meisten Einsatz hat meine Frau daheim, weil sie alles koordinieren muss", sagt Michael Ternes über die Zeit, wenn er im Einsatz ist. Hier: Familie Ternes zu Hause am Feierabend. © KS / Barbara Dreiling

"Den meisten Einsatz hat meine Frau daheim, weil sie alles koordinieren muss", sagt Michael Ternes über die Zeit, wenn er im Einsatz ist. Hier: Familie Ternes zu Hause am Feierabend. © KS / Barbara Dreiling


Seine Frau Christina Ternes kennt diese Zeiten gut: „Als Soldatenfrau ist man oftmals alleinerziehend, wenn die Männer auf Übung sind, oder im Einsatz“, sagt sie. Aber auch, wenn ihr Mann da ist, achtet sie darauf, dass alles gut organisiert ist, von den Hobbys der Kinder am Nachmittag bis zu ihrer eigenen Bürotätigkeit. Denn es kann jederzeit vorkommen, dass Michael Ternes kurzfristig in den Einsatz muss.

Auslandseinsatz als bessere Option

Wer sich als Soldat auf Zeit oder als Berufssoldat bei der Bundeswehr verpflichtet hat, kommt um die Auslandsverwendungen nicht herum. Wer nicht ins Ausland muss, kann innerhalb Deutschlands häufiger versetzt werden, je nachdem, wo er gebraucht wird. Oft ist dann eine zweite Wohnung am Arbeitsplatz notwendig. Militärpfarrer Kühn hat in seinem Seelsorgebezirk sehr viele solcher „Pendler“, wie er sagt: „Die Soldaten selber erleben teilweise unter der Woche gar nicht ihre Familien, sondern sind fünf Tage am Standort und zwei Tage zuhause“, beschreibt er die Situation.

Für Familie Ternes ist der Auslandseinsatz von Michael Ternes die bessere Option, auch wenn er bis zu einem halben Jahr dauern kann. Dafür haben sie aber in den anderen Zeiten ein normales Familienleben und müssen keine Wochenendbeziehung pflegen.

Familienwochenende – drei Tage ohne Stress

Michael Ternes kommt auf etwa 950 Einsatztage in den letzten Jahren, also insgesamt knapp drei Jahre, die er im Kosovo und in Bosnien und Herzegowina verbracht hat, über 2000 km von seiner Familie in der Eifel entfernt. Er ist Fernmelder und dafür zuständig, dass Daten- und Telefonverbindungen einwandfrei funktionieren. Laut Bundeswehr gibt es nicht so viele Spezialisten in diesem Bereich, so dass Michael Ternes‘ Einsatztage gefragt sind. Neben den Auslandsverwendungen gibt es im Lauf eines Jahre noch die Übungen, bei denen er mehrere Wochen lang auf einem Truppenübungsplatz irgendwo in Deutschland stationiert ist.

Während die Eltern sich mit dem Thema des Wochenendes beschäftigten, bastelten die Kinder auf dem Hof eine Flaschenpost. Die Erzieherin Regina Moser hat sie dabei angeleitet. © KS / Barbara Dreiling

Während die Eltern sich mit dem Thema des Wochenendes beschäftigten, bastelten die Kinder auf dem Hof eine Flaschenpost. Die Erzieherin Regina Moser hat sie dabei angeleitet. © KS / Barbara Dreiling

Umso mehr schätzt Christina Ternes die Zeit bei den Familienwochenenden: „Man hat mal drei Tage am Stück zusammen verbracht, ohne Terminstress“, resümiert sie am Sonntagmittag. Für sie bedeutet das, gemeinsam zu essen, ohne vorher stundenlang kochen zu müssen, gemeinsam zu spielen, statt aufräumen, bügeln oder Rasen mähen zu müssen.

Auf den Spuren Edith Steins

Nach dem entspannten Ankommen am Freitagabend gab es am Samstagvormittag ein Programm für Eltern und Kinder. Während die Kinder mit einer Erzieherin auf dem Hof der Jugendherberge eine Flaschenpost bastelten, malten oder Insekten beobachten, konnten sich die Eltern zusammen mit Militärpfarrer Kühn einer faszinierenden Frau des 20. Jahrhunderts widmen. Denn das Wochenende stand unter dem Thema ‚„Wer die Wahrheit sucht, sucht Gott“ – Auf den Spuren von Edith Stein‘.

Diese wurde 1891 in Breslau geboren und stammte aus einer streng gläubigen jüdischen Familie. Als Jugendliche wurde sie Atheistin, studierte Philosophie, promovierte und war anschließend Assistentin des Philosophen Edmund Husserl. Später ließ sie sich taufen, nahm den katholischen Glauben an und trat in den Orden der Karmelitinnen ein. Wegen ihrer jüdischen Abstammung wurde sie 1942 in Auschwitz ermordet.

Während die Kinder von der Erzieherin Regina betreut wurden, konnten sich die Erwachsenen dem Thema des Wochenendes widmen. © KS / Barbara Dreiling

Während die Kinder von der Erzieherin Regina betreut wurden, konnten sich die Erwachsenen dem Thema des Wochenendes widmen. © KS / Barbara Dreiling

Die Erwachsenen kamen darüber ins Gespräch, warum ihr die Flucht vor den Nazis nicht gelang. Möglicherweise nahm sie sogar freiwillig das Schicksal ihres Volkes auf sich. Auf jeden Fall muss sie eine sehr bodenständige Frau gewesen sein, die ihre wissenschaftlichen Kenntnisse als Lehrerin in Speyer einsetzte und darüber hinaus für Frauenrechte und gegen das nationalsozialistische Unrecht auftrat. Am Nachmittag besuchten die Kinder und Erwachsenen die Schulen der Dominikanerinnen von St. Magdalena, also den Ort, wo Edith Stein vor ihrem Ordenseintritt als Lehrerin tätig war.

Grillen und Gottesdienst

Der Fußweg nach St. Magdalena führte am Rhein entlang, wo die Kinder auf einem Steg noch ihre Flaschenpost aufgeben konnten. Eine kurzen Führung im Dom zu Speyer durch Militärpfarrer Kühn und dann hatte jede Familie Zeit für sich. Die meisten gingen an diesem heißen Tag wohl zum Eis essen. Am Abend trafen sie sich dann wieder, um gemeinsam zu grillen und zum Gitarrenspiel von einem Vater und Pfarrer Kühn zu singen.

Gemeinsamer Gottesdienst am Sonntag. ©  KS / Barbara Dreiling

Gemeinsamer Gottesdienst am Sonntag. © KS / Barbara Dreiling

Gelassenheit und Zufriedenheit stand am Sonntagmorgen auf den Gesichtern der Väter, Mütter und Kinder. Im Schatten der Bäume auf dem Hof der Jugendherberge feierten sie gemeinsam den Sonntagsgottesdienst und dankten Gott und beteten für ihre Familie und ihre Freunde. Die gemeinsame Zeit endete nach dem Mittagessen, als die meisten Familien sich wieder auf den Heimweg machten. Auf Michael und Christina Ternes‘ Kinder warteten zu Hause noch die Hausaufgaben für die kommende Woche.

Wissen, wo jemand ist, der zuhört

Zwei Familien haben zum ersten Mal mit dieser Gruppe am Familienwochenende teilgenommen. Sie haben Kontakte geknüpft und haben eine neue Gemeinschaft gefunden. Denn so versteht Militärpfarrer Kühn auch das Ziel seiner Veranstaltung: „Wir wollen so ein Stück Heimat und Halt bieten. Dass wir die Familien kennenlernen, dass sie uns kennenlernen, die Strukturen der Militärseelsorge, dass sie auch wissen, wo sie sich hinwenden können, wo auch Gemeinschaft und Miteinander geboten wird. Aber wo auch im konkreten Fall jemand ist, der mal zuhört, der für sie da ist, der auch mal nach Hause kommt.“

Das spüren auch die Kinder. Wenn Michael Ternes zum Ende des Jahres wieder in den Kosovo geht, dann wissen Christina Ternes und ihre drei Jungs, dass ihre Freunde aus dem Kreis der Militärseelsorge nicht weit weg sind.

© KS / Barbara Dreiling

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