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„Hilfe für die verfolgten und vertriebenen Christen im Nordirak überlebensnotwendig“

Erzbischof Nona (li.) mit seinem Übersetzer. © KS /Jörg Volpers

Erzbischof Nona (li.) mit seinem Übersetzer. © KS /Jörg Volpers

Erzbischof Amel Shimon Nona in der Kurie des Militärbischofs

Berlin, 26.08.2014. Der chaldäisch-katholische Erzbischof Amel Shimon Nona (Bildmitte) aus Mosul im Irak informierte in der Kurie des Katholischen Militärbischofs am Berliner Weidendamm, anlässlich seines Besuches in Deutschland, sehr eindringlich über die Lage der Christen im Irak und die Grausamkeiten der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) im Irak und in Syrien.

Viele Fragen aus dem Plenum, die der Erzbischof bereitwillig beantwortet (© KS / Jörg Volpers)

Viele Fragen aus dem Plenum, die der Erzbischof bereitwillig beantwortet (© KS / Jörg Volpers)

Erzbischof Nona schilderte ein Bild von der Lage und den Nöten der mehr als 100.000 vertriebenen Christen, die in Ankawa nahe der Großstadt Erbil sowie in den Dörfern im Norden von Duhok und Zaxo (Zakho) Zuflucht gefunden haben. Allein in Ankawa, einer Vorstadt von Erbil, hielten sich nach Angaben des chaldäisch-katholischen Erzbischofs derzeit 70.000 christliche Flüchtlinge auf. Ihre Zahl ist damit fast doppelt so hoch wie die Zahl der Einwohner. Ferner informierte Erzbischof Nona darüber, dass es nach wie vor Christen gibt, die zurück in ihre häufig von Nachbarn geplünderten Häuser wollen. Entsetzt über das Schweigen der islamischen Offiziellen in der Region zeigte sich Nona, der von Papst Benedikt XVI. 2009 zum Erzbischof der Erzeparchie Mosul ernannt worden war.

Im Gespräch mit dem Erzbischof, an dem auch Verantwortliche aus dem Bundesministerium der Verteidigung, Vertreter des Katholikenrates beim Katholischen Militärbischof sowie Mitarbeiter aus der Evangelischen Militärseelsorge teilnahmen, kam auch die beabsichtigte Lieferung von deutschen Waffen zugunsten der kurdischen Kämpfer zur Sprache. In diesem Zusammenhang formulierte Erzbischof Nona keinerlei Bedenken und appellierte sehr eindringlich an die Regierung in Deutschland, „mehr Mut zur Wahrheit“ aufzubringen. Nona bezog sich dabei auf die öffentliche Nennung derjenigen arabischen Staaten, die fundamentalistische Gruppierungen unterstützen. Als vorrangige Hilfe für die Tausende von Flüchtlingen in der Region nannte Erzbischof Nona „Zelte, Unterkünfte, Wasser, Nahrungsmittel und Medikamente“.

Das Gespräch endete in der Hauskapelle Sankt Michael mit einem gemeinsamen Gebet, Fürbitten für die verfolgten Christen und Yesiden und dem bischöflichen Segen. Zusätzlich übergab der Generalvikar des Katholischen Militärbischofs, Monsignore Reinhold Bartmann, eine Spende zugunsten der weiteren Hilfsleistungen für die notleidenden Christen in der nordirakischen Region.

 Josef König




Essen, 27.08.2014 (KNA). Militärbischof Overbeck: Nichtstun im Irak ist keine Lösung

Der Katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck hält deutsche Waffenlieferungen in den Irak und als letztes Mittel auch militärische Schritte gegen die Terrormilizen des "Islamischen Staats" (IS) unter bestimmten Umständen für gerechtfertigt. "Es ist eine typische Dilemma-Situation, in der nur eins klar ist: Nichts zu tun ist keine Lösung", sagte Overbeck am Mittwoch in Essen der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Denn "diesem Morden muss ein Ende bereitet werden", wie es auch Papst Franziskus gesagt habe.

Nona schilderte die Lage der Flüchtlinge im Nordirak als katastrophal.

Militärgeneralvikar Reinhold Bartmann begrüßt Erzbischof Amel Shimon Nona bei seinem Besuch in der Kurie des Katholischen Militärbischofs. © KS / Jörg Volpers

Militärgeneralvikar Reinhold Bartmann begrüßt Erzbischof Amel Shimon Nona bei seinem Besuch in der Kurie des Katholischen Militärbischofs. © KS / Jörg Volpers

"Wir müssen alles tun, um den Menschen vor Ort wieder ein würdiges Leben zu ermöglichen", betonte der Essener Bischof nach einem Treffen mit dem chaldäisch-katholischen Erzbischof von Mosul im Nordirak, Amel Shimon Nona. Und dazu "muss auch gehören, dass als eine der letzten Möglichkeiten die Androhung von Gewalt hoffentlich ausreicht". Es könne aber auch sein, "dass man zu anderen Mitteln greifen muss, weil diese Angreifer eine andere Sprache nicht verstehen".

Nona schilderte die Lage der Flüchtlinge im Nordirak als katastrophal. "Die Situation wird immer schlimmer! Es fehlen Unterkünfte, Lebensmittel, Medikamente, einfach alles. Aber sie brauchen auch psychologische Hilfe für die geschundenen Seelen." Alle kirchlichen Gebäude seien voller Flüchtlinge, berichtete der Bischof: "Demnächst setzt der Starkregen ein. Danach steht der Winter mit bis zu minus 10 Grad vor der Tür. Viele wissen nicht, wie sie überleben sollen. Die Zeit drängt."

Tief enttäuscht äußerte sich Nona über viele Muslime im Irak. Bislang habe keiner ihrer Führer das äußerst brutale Vorgehen der Terrormilizen öffentlich verurteilt. Und auch viele der geflohenen Christen seien von ihren direkten muslimischen Nachbarn tiefer verletzt worden als von der IS-Miliz, "weil sie die ersten waren, die uns ausgeraubt haben".

Nona ist momentan zu Gast beim Caritasverband im Bistum Essen, der seit 2007 Hilfsprojekte im Norden des Irak mit bisher mehr als 1,7 Millionen Euro unterstützt und jetzt die Versorgung von 150 weiteren Familien mit Lebensmitteln zugesagt hat.

Overbeck rief dazu auf, Hilfsaktionen großzügig zu unterstützen, denn sicher wollten viele am liebsten in ihrem Land bleiben, sofern es denn noch möglich sei. "Auf der anderen Seite müssen wir aber auch hier eine Willkommenskultur pflegen für alle Flüchtlinge, deren Leben und deren Würde bedroht ist."

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"Mein Bischofssitz ist jetzt Hauptquartier des IS"

Interview mit Erzbischof Nona bei domradio.de

Seit 2010 ist der 46-jährige Emil Schamoun Nona Erzbischof der nordirakischen Millionenmetropole Mossul. Sein Vorgänger wurde 2008 entführt und ermordet. Nun haben die Extremisten der Gruppe "Islamischer Staat" den Sitz der Erzdiözese als Hauptquartier eingenommen.

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