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Haltung(en), Autor: Pastoralreferent Christian Hohmann, Katholisches Militärpfarramt Aachen, aus: Kompass 06/2017

In den vergangenen Wochen waren diverse Grundsatzdiskussionen zu hören über das richtige Auftreten bzw. die angemessenen Grundüberzeugungen von Soldaten als „Staatsbürger in Uniform“. Von „Haltungen“ und einem „besonderen Ethos“ war da die Rede. Wenn wir uns als Christen in der Bundeswehr auf diese Fragen einlassen, können wir in der Bibel einige Anhaltspunkte finden, die uns Orientierung geben. Da wäre beispielsweise die Haltung zu erwähnen, die Jesus seinen Freunden in der Bergpredigt (Mt 5 ff.) dargelegt hat: Selig die Friedfertigen, selig die Sanftmütigen, selig die Menschen, die Barmherzigkeit walten lassen; ihnen allen gehört das Himmelreich. Hier handelt es sich um Grundhaltungen, die für Soldaten ebenso Maßstab sein sollten wie für jeden anderen Christen, ja für alle Menschen guten Willens.

Rechenschaft ablegen

Aber was zeichnet uns Christen in besonderer Weise aus? Im 1. Petrusbrief finden wir diesbezüglich einen Hinweis. Dort heißt es, dass wir bereit sein sollen, jedem Rechenschaft abzulegen, der nach der Hoffnung fragt, die uns erfüllt (1 Petr 3,15). Menschen, die versuchen, den Weg Jesu in ihrem Leben nachzugehen, behalten ihre Begeisterung und ihre Überzeugungen nicht für sich. Seit fast 2.000 Jahren drängt es uns Christen, anderen davon zu erzählen, was uns selbst im Inneren unseres Herzens erfüllt. An erster Stelle wäre die Gottesliebe zu erwähnen als unsere Antwort auf die Erkenntnis, dass wir alle Geschöpfe Gottes sind.

Wer sich selbst als Tochter bzw. Sohn Gottes versteht, begegnet allen Menschen mit Liebe und Achtung. Er oder sie weiß um die einzigartige Würde, die jeder und jede von Gott geschenkt bekommt. Diese Würde unterliegt keiner Bedingung, muss nicht erst erarbeitet werden, hängt von keiner Leistung oder Leistungsfähigkeit ab. Wer sich derart geliebt und gehalten weiß, geht wohlwollend, annehmend und verzeihend auf seine Mitmenschen zu, macht keinen Schwächeren runter, sondern versucht denjenigen aufzurichten, der am Boden liegt. Wer sich von Gott gehalten fühlt, lebt solidarisch mit seinen Mitmenschen, bewertet niemanden nach Aussehen oder Hautfarbe, reicht denen die Hand, die entkräftet sind.

Verschiedene Quellen

Wenn wir genau hinschauen, entdecken wir in diesen Haltungen auch die Grundzüge der Inneren Führung sowie der soldatischen Kameradschaft. Unser Ethos formt sich aus uralten Quellen. Eine davon ist die Frohe Botschaft Jesu.

„Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“ (1 Petr 3,15). Dieser Aufruf verlangt ein starkes Rückgrat und viel Mut.

Möge der Heilige Geist, der uns an Pfingsten aufs Neue geschenkt wird, uns ermuntern, den Mund aufzumachen, wo unsere Stimme von Nöten ist: Als deutlicher Protest gegen jede Art von Erniedrigung, als Ermunterung für diejenigen, die Flüchtende vor dem Ertrinken retten, als Stimme gegen die Feinde der Demokratie ...

Die Beispiele kann ein jeder nach Belieben ergänzen. Denn auf die Haltung kommt es an in Familie, Gesellschaft, der Bundeswehr, ja überall dort, wo Menschen zusammenleben. Gehen wir mutig hinaus in unsere Welt und versuchen uns einzusetzen für Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit!

Pastoralreferent Christian Hohmann,
Katholisches Militärpfarramt Aachen

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