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Alaaf und Helau Autor: Pastoralreferent Martin Diewald, Katholisches Militärpfarramt Erfurt aus: Kompass 02/2018

Egal wozu Sie nun tendieren, ob es eher ein Düsseldorfer „Helau“ oder ein Kölsches „Alaaf“ sein darf – sie ist da: die fünfte Jahreszeit! Und mit dem Jeckentreiben wird auch wieder die Frage für eingefleischte Fans der Karnevalszeit drängend, was denn dieses Jahr als Kostüm herhalten muss. Vielleicht der grelle Pullover, der vor vielen Jahren tatsächlich einmal modern gewesen war und damals größer wirkte, oder der Hut, bei dem man nicht mehr weiß, wann und wozu der eigentlich angeschafft wurde.

Wem die heimische Kleiderkammer nicht genügt, kann sich für ein paar Euro im Handel die nötigen Accessoires besorgen: leuchtende Teufelshörner, eine rote Nase, oder vielleicht sogar ein Komplett-Outfit als Meerjungfrau. Wer sich selbst nicht gerne verkleidet, kann dennoch über verschiedene Karnevalssendungen im Fernsehen die verrücktesten Kostüme bestaunen.

Fastnacht und …

In der fünften Jahreszeit lieben es einfach viele Menschen, sich zu verkleiden, Masken aufzusetzen und in geselliger Runde und lustigem Treiben ein/e andere/r zu sein. Doch was empfinden wir eigentlich dabei? Trage ich nicht schon allzu oft Masken und erfülle Rollen im Alltag? Im Berufsleben, im Dienst, in der Nachbarschaft, im Bekanntenkreis und manchmal sicherlich auch in der Familie wird von mir erwartet, dass ich Ansprüchen genüge und mich dafür auch manchmal „verstellen muss“. Ich denke, dass kennt wohl jeder: Es geht mir vielleicht gar nicht so gut, mich belastet etwas, ich brauche eigentlich einmal Zeit für mich und dennoch erwartet man von mir, dass ich gutgelaunt lächle und meine Rolle wahrnehme. Ich trage also eine Maske. Auch wenn meine Gefühlswelt ganz anders aussieht, möchte man das im beruflichen „Treiben“ nicht sehen. Zugegeben – der Spaß beim Karneval besteht wohl besonders darin, dass ich mir zur Abwechslung einmal die Maske selbst aussuchen darf.

… Fastenzeit

Und dann ist es auch schon demnächst wieder „alles vorbei“ – der Schlusspunkt unserer fünften Jahreszeit, wenn die Kirchen den Aschermittwoch einläuten. Solche Spaßverderber – oder? Dabei ist mit dem Aschermittwoch nicht nur das Aschenkreuz oder der Heringsschmaus verbunden. Zu Aschermittwoch laden uns die Kirchen dazu ein, dass wir nicht nur die Masken ablegen, die wir gerade noch zum Karneval trugen, sondern auch „die Hüllen fallen lassen“, die uns oft belasten, die Masken, die wir im Alltag tragen müssen und einmal unkostümiert für uns selbst Bilanz ziehen. Wo stehe ich eigentlich? Wo drückt der Schuh? Was wird von mir erwartet und in welche Verkleidungen schlüpfe ich jeden Tag, ohne dabei einmal darüber nachzudenken, was mir eigentlich jetzt gut tun würde?

In der katholischen Kirche gibt es dafür die Beichte: ungeschminkt mir selbst zu begegnen. Aber auch für alle anderen kann fernab von Beichte der Aschermittwoch die Gelegenheit sein, über die Masken nachzudenken, die ich bisher immer getragen habe und warum eigentlich. Ich wünsche uns allen dabei zumindest, dass unser Blick nicht allzu verkatert ausfällt.

Alaaf, Helau und Amen!

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