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62. Gesamtkonferenz in Berlin

unter dem Thema

"Ein Gespenst geht um in Europa - das Gespenst des Nationalismus"

     

Mit diesem Thema beschäftigten sich die katholischen Militärgeistlichen, Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten sowie Pfarrhelferinnen und Pfarrhelfer in ihrer gemeinsamen Gesamtkonferenz vom 23. bis 27. Oktober 2017 in Berlin.

 

 




Bildergalerie

Fotos von der Gesamtkonferenz finden Sie in unserer Bildergalerie.






26.10.2017

Wort des Bischofs

Berlin, 26.10.2017. Auch zur diesjährigen Gesamtkonferenz nutzte Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck die Gelegenheit, um das „Wort des Bischofs“, das er seit 2014 im jährlichen Abstand veröffentlicht, in Erinnerung zu rufen. Er tat dies in diesem Jahr bereits bei der zurückliegenden „Woche der Begegnung“, die Mitte September in Berlin stattfand.

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In Bezug auf das Ethos des soldatischen Dienstes rückte Bischof Overbeck den Dienst des Soldaten und – mit Blick auf die Innere Führung – die seiner Meinung nach bestimmenden Gesichtspunkte „Gewissen“, „Vertrauen“ und „Tradition“ in den Mittelpunkt. Nach Auffassung des Militärbischofs bildet dabei das Gewissen „die Mitte der Existenz des Menschen als Person, das über die grundlegende Übereinstimmung des Menschen mit sich selbst wacht.“ Weiter fügte er hinzu: „Darum ist für uns Christen das Gewissen eine über das Moralische hinausgehende Instanz und hat eine Bedeutung, die sich auf die Begegnung zwischen Mensch und Gott bezieht.“ Dabei zählt es mit zu den Aufgaben der Seelsorge unter den Soldaten, zur Gewissensbildung zu befähigen, um im Gewissen fundierte Entscheidungen treffen zu können. Dies gilt gerade für Entscheidungen im soldatischen Dienst. Militärbischof Overbeck weiter: „Für den Soldaten gilt hier, wie für alle anderen auch, das positive Recht auf Gewissensfreiheit, die zu garantieren ist. Dabei ist durchaus im Blick zu behalten, dass sich jeder Mensch auch täuschen kann, aber trotzdem verpflichtet bleibt, seinem, möglicherweise irrenden, Gewissen zu folgen.“

Mit Blick auf die Bedeutung des Vertrauens in den zwischenmenschlichen Bezügen formulierte der Bischof deutlich: „Vertrauen ist alles andere als ein unbegrenzt verfügbares, sich stets von selbst erneuerndes Gut. Es zu verlieren, geht schnell. Neues zu schaffen, dauert lange, besonders dann, wenn es nicht nur leichtfertig verspielt, sondern womöglich mutwillig und systematisch zerstört wurde. Es wächst auch nicht einfach von allein.“
   
Die Bundesministerin der Verteidigung initiierte den Prozess, die seit 1982 gültigen „Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege in der Bundeswehr“ zu überarbeiten. Dies ist mit ein Grund, warum im „Wort des Bischofs“ einige deutliche Bemerkungen zu einer recht verstandenen Traditionspflege zum Ausdruck kamen: „Echte Tradition scheut sich gerade darum nie vor einem Reinigungsprozess, damit das Vertrauen in den Gewinn der Erfahrungen und der Wissenszuwächse aus der Vergangenheit gestärkt wird und zugleich kritisch der Gegenwart gegenübersteht.“ Und mit Blick auf den Dienst der Soldaten schloss Militärbischof Overbeck mit der Feststellung: „Zur wichtigsten Tradition der Soldatinnen und Soldaten gehört es, auf die Erhaltung und Förderung des Friedens in Freiheit als Grundlage ihres soldatischen Selbstverständnisses unbedingt verpflichtet zu sein.“

Josef König





25.10.2017

Dr. Andriy Mykhaleyko während seines Vortrags © KS / Halina Wegrzynowicz

Dr. Andriy Mykhaleyko während seines Vortrags © KS / Halina Wegrzynowicz

Ein Ukrainer ist orthodox - Die Verbindung von Religion und Nation in der Ukraine

Unter diesem Thema stand der Workshop mit Dr. Andriy Mykhaleyko. Der gebürtige Ukrainer und Priester der Ukrainisch-Griechisch-Katholischen Kirche habilitiert sich zurzeit am Kollegium Orientale an der Katholischen Universität Eichstätt.

Als Experte für Kirchengeschichte gab er den Teilnehmern des Workshops zunächst eine Einführung in die verschiedenen christlichen Kirchen in der Ukraine. Dabei zeigte sich, dass die historische „Symphonia“, der gewollte Zusammenklang von Kirche und Staat im oströmischen Reich, sich in die Gegenwart als Zusammenklang von ostkirchlicher Tradition und nationaler Zugehörigkeit übertragen hat.

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Viele Menschen in der Ukraine sind der Auffassung, dass man als Ukrainerin, als Ukrainer orthodox ist. Das bedeutet zunächst mal, dass man sich als gläubiger Mensch in der ostkirchlichen liturgischen Tradition des byzantinischen Ritus beheimatet fühlt. Weniger entscheidend ist, welcher Kirche man angehört.

Doch es gibt zahlreiche Möglichkeiten der Kirchenzugehörigkeit in der Ukraine. Über die Jahrhunderte entstanden in den jeweiligen Staaten, zu denen die einzelnen Gebiete der Ukraine zeitweise gehörten, eigene nationale orthodoxe Kirchen. 

Die größte Kirche ist die Ukrainische Orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats mit etwa 12.000 Gemeinden. An zweiter Stelle steht die Ukrainische Orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats. Selbstständig und unabhängig vom Moskauer Patriarchat existiert außerdem die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche. Dazu kommen die katholischen Kirchen mit byzantinischem Ritus – die Ukrainisch-Griechisch-Katholische Kirche, die Ruthenisch-Griechisch-Katholische Kirche sowie die Römisch-Katholische Kirche. (bd)



Dr. Thomas Forstner © KS / Halina Wegrzynowicz

Dr. Thomas Forstner © KS / Halina Wegrzynowicz

Workshop zur „Kriegslegitimation und Kriegspropaganda katholischer Geistlicher und Theologiestudierender im Zweiten Weltkrieg“

Mit einem Impulsreferat des promovierten Berliner Historiker Thomas Forstner, der sich in seiner Dissertation insbesondere über die Identität und Lebenswelt des katholischen Pfarrklerus in Oberbayern in der Zeit von 1918 bis 1945 befasste, wurde ein Workshop zu der diesjährigen Gesamtkonferenz eingeleitet. Im Mittepunkt der darin vorgetragenen Überlegungen stand die während des Nationalsozialismus im Dritten Reich und im Zweiten Weltkrieg die Wehrmachtseelsorge der Katholischen Kirche, die der damalige Feldbischof Franz Justus Rarkowski, der zur damaligen Fuldaer Bischofskonferenz nicht zulassen war und zusammen mit dem späteren ersten Militärgeneralvikar der katholischen Militärseelsorge Georg Werthmann verantwortet.

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Forstner informierte vorab über den im Reichskonkordat von 1933 rechtlich geordneten und strukturellen Aufbau der Wehrmachtsseelsorge mit verbeamteten 100 Wehrmachtspfarrern, den späteren 350 Kriegspfarrern und den im Sanitätsdienst eingesetzten geschätzten 20.000 „Sanitätsgeistlichen“, die zumeist heimlich und entgegen der Anordnungen in einer spezifischen Form Seelsorge an und mit verwundeten Soldaten des Zweiten Weitkriegs leisteten. Er schloss seine Überlegungen mit einer typologisierenden Einordnung der Wehrmachtsseelsorger, die seiner Auskunft nach vorwiegend mit dem damaligen Deutungs- und Erklärungsmustern des verbrecherischen Krieges der Wehrmacht während der Zeit des Nationalsozialumuses vorgefunden werden konnten. Mithin war für die in diesem Workshop engagierten Militärseelsorgen und erstmals auch der teilnehmenden Pfarrhelferinnen und Pfarrhelfer eine gute Grundlage gegeben, in Kleingruppen sich mit dem belasteten Erbe des Umgangs der Kirche während des Dritten Reiches und insbesondere in der Wehrmachts- und Kriegsseelsorge auseinanderzusetzen und weiter zu vertiefen.

Josef König




Barbara Leicht vom Katholischen Bibelwerk © KS / Halina Wegrzynowicz

Barbara Leicht vom Katholischen Bibelwerk © KS / Halina Wegrzynowicz

Wie ist Gott und wie soll man ihn erklären?

Einführung in die neue Einheitsübersetzung der Bibel

Diese Frage stellte sich den Militärseelsorgern bei der „Einführung in die neue Einheitsübersetzung“ der Bibel. Die katholische Neuübersetzung der Heiligen Schrift aus dem Jahr 2016 ermöglicht nicht nur neue Perspektiven auf die biblische Überlieferung. Sie wirft vor allem Fragen auf, wie man den Text nun in der Seelsorge an den Bundeswehrstandorten gemeinsam lesen kann.

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Die Theologin Barbara Leicht vom Katholischen Bibelwerk in Stuttgart führte die Militärseelsorger im Rahmen der Gesamtkonferenz durch die wichtigsten Veränderungen im Vergleich zur bisherigen Einheitsübersetzung aus dem Jahr 1980. Als Grundlage der neuen Übersetzung dienten nur die jeweiligen Urtexte und nicht etwa spätere Übersetzungen der alttestamentlichen Texte in griechischer Sprache. Auch seien Fehler der alten Übersetzung verbessert und neue wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigt worden, erklärte die Theologin.

Zu den Hauptveränderungen zählt die konsequente Übersetzung des Gottesnamens mit „HERR“ und die Erklärung des Gottesnamens mit „Ich bin, der ich bin“ in Exodus 3,14. Für einige Teilnehmer bildet die bisherige Übersetzung „Ich bin der «Ich-bin-da»“ die Grundlage der Verkündigung eines Gottes, der den Menschen nahe ist. Dies geht aus der neuen Übersetzung nicht mehr so deutlich hervor. Die Übersetzer wollten an dieser und vielen anderen Textstellen die ursprüngliche Bedeutung der Texte möglichst originalgetreu überliefern. Bei der ersten Einheitsübersetzung hatte dagegen die leichtere Lesbarkeit des Textes in deutscher Sprache mehr im Vordergrund gestanden.

Nach 36 Jahren erfordert die aktuelle Einheitsübersetzung somit eine Umgewöhnung der Leserinnen und Leser. Besonders von den Seelsorgern verlangt sie eine neue Auseinandersetzung mit bekannten biblischen Erzählungen. (bd)




24.10.2017

Prof. Dr. Sabine Riedel © KS / Halina Wegrzynowicz

Prof. Dr. Sabine Riedel © KS / Halina Wegrzynowicz

Nationalismus und Kirche: am Ende verliert die Religion

Nachdenkliche Stimmen zur Verbindung von Nation und Religion auf der 62. Gesamtkonferenz der Katholischen Militärseelsorge in Berlin-Steglitz

Berlin 24.10.2017. Die Begeisterung für das Nationale ist nicht erst seit den vergangenen Wahlen in Europa ein Thema. Schon seit längerer Zeit ist nicht nur im Osten Europas ein Erstarken des nationalen Bewusstseins wahrzunehmen, und in diesem Zusammenhang tauchen auch immer wieder religiöse Würdenträger gerade in der Nähe von nationalen Führern in der Berichterstattung auf. Die 62. Gesamtkonferenz der Katholischen Militärseelsorge befasst sich derzeit mit dem Verhältnis von Nation und Religion und die mahnenden Töne sind deutlich.

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Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher © KS / Halina Wegrzynowicz

Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher © KS / Halina Wegrzynowicz

Prof. Dr. Sabine Riedel, Politologin an der Universität Magdeburg, zeigte in einer historischen Betrachtung auf, dass der Preis, den die Kirche für Schutz und Förderung durch den Staat in Monarchien und totalitäre Systeme zu zahlen hatte, immer ihre eigene Unabhängigkeit und ihre kirchliche Identität war. Gleichzeit öffne eine zu große Staatsnähe der Kirchen auch dem Missbrauch von Religion und der Kirche als Institution Tür und Tor. Auch Indienstnahme von Kirche für politische Expansionsbestrebungen und Kolonialismus belegte die Wissenschaftlerin an den Beispielen von England und Frankreich. Die Geschichte habe gezeigt, dass Kirche, die sich zu symbiotisch an die Nation oder einen Staat hält, in der Regel als Mittel der Einflussnahme benutzt werde, so Riedel. Nach der Bevorzugung einer religiösen Gemeinschaft folge immer ihre Indienstnahme zur Festigung der Macht oder als ideologisches Führungsinstrument.

Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher, stellvertretender Sekretär der Evangelischen Allianz, verwies auf einige problematische Ereignisse, welche die Brisanz zeigen, wenn Staat und Kirche keine deutliche Trennung mehr aufrechterhalten. Die Rede des damaligen Verteidigungsministers Thomas de Maizière beim Abschied von Soldaten in Afghanistan, das Gebet zur Eröffnung des Parlaments in den USA zeigen, so Schirrmacher, deutlich, wie problematisch eine so enge Verquickung ist. „Es ist richtiggehend perfide“, so ein Teilnehmer, „dass jemand wie der ungarische Ministerpräsident Victor Orbán, sich als Verteidiger des Christentums aufspielt und eigentlich die Politik verfolgt, christliche Flüchtlinge aus dem Land zu halten und zurückzusiedeln.“ Grundsätzlich werde bei einem religiösen Nationalismus die Religion von ihrem Inhalt weitgehend entleert. Es gebe hier keine Rückbindung an eine konkrete Kirche oder einen wirklichen gelebten Glauben. „Wenn bei Demonstrationen ein beleuchtetes Kreuz, in den Nationalfarben Deutschlands angestrichen, mitgeführt wird, hat das keinen Bezug zu den Inhalten des christlichen Glaubens, sondern ist nur ein Symbol der Abgrenzung gegen andere.“ Kein wirklich religiöser Mensch würde daher so etwas tun. „Es sind eher die kirchlich distanzierten Menschen, die sich für einen religiösen Nationalismus begeistern können“, fasst der Professor abschließend zusammen.

Dr. York-Herwarth Meyer



Eucharistiefeier mit Militärbischof Overbeck © KS / Halina Wegrzynowicz

Eucharistiefeier mit Militärbischof Overbeck © KS / Halina Wegrzynowicz

Kompass für Ethik und Seelsorge

Pontifikalamt und Gästeabend der 62. Gesamtkonferenz

Berlin, 24.10.2017. In seiner Predigt in der Rosenkranz-Basilika, Berlin-Steglitz, anlässlich der diesjährigen Gesamtkonferenz der Katholischen Militärseelsorge, ging Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck auf den aktuellen „Erneuerungsbedarf für uns als Katholische Militärseelsorge“ ein. Wörtlich betonte er weiter: „Es geht um Erneuerung.
 
Diese Erneuerung braucht dabei aber einen Kompass.“ Ausgehend von dem Buch „Ethik-Kompass. 77 Leitbegriffe“, das in den letzten Jahren aus der Militärseelsorge heraus erarbeitet worden war, sagte der Militärbischof: „…, so brauchen wir einen Seelsorge-Kompass.“ Statt 77 benannte er konkret 7 Begriffe, in „deren Richtung der Kompass ausschlagen“ müsse: Wirklichkeit, Unterscheidung der Geister, Gemeinschaft, „Jesus, der uns Weg, Wahrheit und Leben ist“, „Bescheidenheit, Aufrichtigkeit und Gelassenheit“, „Vertrauen und Nützlichkeit“ sowie Glaubwürdigkeit – alles zusammengehalten vom lebendigen Gott.

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Nuntius Dr. Nikola Eterovic bei seinem Grußwort © KS / Halina Wegrzynowicz

Nuntius Dr. Nikola Eterovic bei seinem Grußwort © KS / Halina Wegrzynowicz

In den Schlusssegen der Heiligen Messe bezog Overbeck neben den zahlreichen Gesamtkonferenz-Teilnehmern und Gästen ausdrücklich auch die Bundeswehr, das ganze Land und den Bundestag ein, der an diesem Dienstag seine konstituierende Sitzung hatte.

Aus dem Deutschen Bundestag war auch der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Ralf Brauksiepe gekommen, der für die Verteidigungsministerin ein Grußwort sprach, in dem er die gute Zusammenarbeit zwischen dem Bundesministerium der Verteidigung und der Militärseelsorge betonte. Für die Bundeswehr und „die Männer und Frauen in Uniform unter uns“ drückte der Stellvertretende Generalinspekteur, Vizeadmiral Joachim Rühle, seinen Dank aus.

Kirchlicherseits vertraten beim Empfang des Militärbischofs der Apostolische Nuntius, Erzbischof Nikola Eterovic, die katholische Weltkirche und der Leitende Militärdekan Berlin, Helmut Jakobus, die Evangelische Militärseelsorge. Für die katholischen Laien in der Bundeswehr, die genau fünf Wochen zuvor an selber Stelle ihre „Woche der Begegnung“ durchgeführt hatten, sprach Hauptmann Andreas Quirin für die „Gemeinschaft Katholischer Soldaten“ (GKS) und zugleich für den „Katholikenrat beim Katholischen Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr“. Den Abend moderierte der örtlich zuständige Katholische Leitende Militärdekan Berlin, Stephan van Dongen.

Jörg Volpers

 

Lexikon der Ethik. 77 Leitbegriffe



Oberst i.G. André Abed © KS / Halina Wegrzynowicz

Oberst i.G. André Abed © KS / Halina Wegrzynowicz

BMVg – Abteilung Führung Streitkräfte informierte die Militärseelsorge

Grundsätzliche und aktuelle Fragen aus den breiten  Handlungsfeldern „Innere Führung“ sowie Planungen und laufende Vorhaben aus der Abteilung Führung Streitkräfte (FüSK) im Bundesministerium der Verteidigung stehen traditionell an exponierter Stelle während einer Gesamtkonferenz. Erneut war In diesem Jahr, dem dortigen Referatsleiter, Oberst i. G. André-Michael Abed (FüSK III 2), die Möglichkeit eingeräumt, über aktuelle Arbeitsschwerpunkte aus dem Führungsgrundgebiet Innere Führung und Militärseelsorge zu informieren.

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Dabei kam Oberst i. G. Abed, der seit Juni 2016 zugleich dienstlich bestellter Beisitzer im Bundesvorstand des Bundeswehr-Sozialwerks ist, nicht umhin, die zurückliegenden Vorkommnisse in den Streitkräften mit Blick auf ihre Auswirkungen auf die Innere Führung und Menschenführung insgesamt, in den Blick zu nehmen. Er betonte dabei, dass diese unmittelbare und breite Auswirkungen sowohl auf die innerministerielle Arbeitsweise als auch auf die grundsätzliche Bedeutung der Konzeption vom „Staatsbürger in Uniform“ hatten. Er informierte in diesem Zusammenhang über strukturelle Veränderungen im der gesamten Abteilung Führung Streitkräfte, zu deren Aufgaben es mit zählt, den Generalinspekteur der Bundeswehr bei der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung „einsatzbereiter Streitkräfte“ zuzuarbeiten und zu unterstützen. Aktuell gilt diese insbesondere für das politisch gewollte Vorhaben, die Trendwenden im Bereich Personal und Material vorzuplanen und mit ministeriellen Weisungen umzusetzen. Schwerpunkt wird mit Blick auf die eingeleitete Trendwende „Personal“ das Vorhaben stehen, das vorhandene Personal in den Streitkräften stärker zu binden. Ziel ist mithin, das Personal länger in der jeweiligen Verantwortung zu binden. Einher gehen diese Überlegungen des Referatsleiters zugleich mit der Neueinrichtung des Themenfeldes „Betreuung und Fürsorge“, welches mit darauf abgestimmt werden soll, die eingeleitete Trendwende abzusichern und mithin auch für den Dienst der Soldatinnen und Soldaten attraktiv auszugestalten. Neu ist in diesem Zusammenhang auch, dass auch wegen der bekannten Vorkommnisse daran gearbeitet wird, ein datengestütztes aktuelles Lagebild „Innere Führung“ so zu etablieren, dass zeitnah und detailgetreu im Bundesministerium der Verteidigung Auskunft über die Lage im Führungsgrundgebiet Innere Führung gegeben werden kann und über die dafür eingeleiteten Schritte und Maßnahmen transparent informiert werden kann. Mit Blick auf die Realisierung des durch die Bundesministerin der Verteidigung Ursula von der Leyen angeordneten Vorhabens, die seit 1982 gültigen „Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege in der Bundeswehr“ zu überarbeiten, gab Oberst i. G. Abed einen detaillierten Einblick in den derzeitigen Sachstand des Überarbeitungsprozesses. Zugleich informierte er darüber, dass mit dem Ausgang des vierten Workshops am 10. November an der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) in Berlin, der breit angelegte Beteiligungsprozess abgeschlossen sein wird. Bis wann und zu welchen Zeitpunkt ein neuer „Traditionserlass“ für die Bundeswehr herausgegeben wird, ist seiner Ansicht nach eine politische Entscheidung, die derzeit noch nicht abzusehen ist. Auf Nachfrage erläuterte Oberst i. G. Abed abschließend, dass nicht vorgesehen ist, die derzeit gültigen Grundlagen für den Lebenskundlichen Unterricht (LKU) zu ändern und es nach wie vor dabei bleibt, dass die Durchführung des verbindlichen angeordneten  LKUs in den Händen der Militärseelsorger der beiden Kirchen bleiben wird.

Josef König




23.10.2017

© KS / Halina Wegrzynowicz

© KS / Halina Wegrzynowicz

Eröffnung und Bericht zur Lage

In seinem Bericht zur Lage anlässlich der 62.Gesamtkonferenz informierte Militärgeneralvikar Msgr. Reinhold Bartmann über aktuelle Themenbereiche und Herausforderungen der Katholischen Militärseelsorge.

Auf die neuen Organisationsstrukturen der Streitkräfte werde sich die Katholische Militärseelsorge bezüglich des Personals und der Militärpfarrämter einstellen. Trotz alledem müsste die Militärseelsorge gerade durch die einsatzbedingten Verpflichtungen seelsorgerliche Begleitung und Präsenz erfüllen, sagte der Generalvikar. Dies könne nur im ökumenischen Miteinander sichergestellt werden. Dies gelte auch für die Angebote der Familienseelsorge.

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In seinem Rückblick und Ausblick auf Großveranstaltungen nannte Militärgeneralvikar Bartmann die Soldatenwallfahrt nach Lourdes, die im nächsten Jahr zum 60. Mal stattfinden wird und den Katholikentag 2018 in Münster. Er ermutigte die Teilnehmer, intensiv für die Veranstaltungen zu werben, selbst zahlreich teilzunehmen und sich zu engagieren.

Der Generalvikar wies erneut auf die Verantwortung der Seelsorger für die Erteilung des Lebenskundlichen Unterrichts hin. Aufgabe sei es, dem Soldaten das moralische Rüstzeug mitzugeben, seinen Beruf in voller Verantwortung vor seinem Gewissen und ausgerichtet am Wertebewusstsein des Grundgesetzes auszuüben.

Anerkennend hob Msgr. Bartmann die Bereitschaft der Soldaten hervor, die in "Uniform als Katholik Gesicht zeigten". Jedoch werde wegen der besonderen Lebensbedingungen der Soldaten und auch der Familienangehörigen das dauerhafte Einbinden in eine verfasste Gremien- oder Verbandsarbeit immer schwieriger. Vorhandene Strukturen des organisierten Laienapostolates in der Katholischen Militärseelsorge müssten genau beobachtet und letztendlich den Entwicklungen angepasst werden.

Der Militärgeneralvikar begrüßte die Einladung zur Beteiligung der beiden Zweige der Militärseelsorge für die Überarbeitung der Richtlinien zum Traditionsverständnis und zur Traditionspflege in der Bundeswehr. Bisher hätten sich Vertreter des Militärbischofsamtes an allen Workshops beteiligt.

Die Gesamtkonferenz findet vom 23. bis 27. Oktober 2017 in Berlin-Steglitz statt, zum Thema: „Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Nationalismus“.

Marlene Beyel



Die "Neuen" bei ihrer Vorstellungsrunde. © KS / Halina Wegrzynowicz

Die "Neuen" bei ihrer Vorstellungsrunde. © KS / Halina Wegrzynowicz

Personalveränderungen 2016/17

Traditionell werden am ersten Abend jeder Gesamtkonferenz zunächst die ausgeschiedenen Mitarbeiter des vergangenen Jahres verabschiedet. Stellvertretend für sie bedankte sich Regierungsamtsinspektor a. D. Jürgen Strohe für die langjährige, gute Zusammenarbeit und blickte voraus auf den Neubeginn als Ruheständler.

Danach besteht für die neuen Mitarbeiter in den Katholischen Militärpfarrämtern und -dekanaten sowie an der Berliner Kurie des Katholischen Militärbischofs die Gelegenheit, sich selbst vorzustellen. In diesem Jahr waren es besonders viele „Neue“, weil sowohl Militärseelsorger als auch Pfarrhelfer auf der Bühne standen.

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Von links nach rechts: Pastoralreferent Martin Diewald, Erfurt; Militärpfarrer Clemens Dzikowski, Bad Frankenhausen; Militärpfarrer Torsten Stemmer, Wilhelmshaven I; Pastoralreferent Diakon Rainer Schönborn, Wilhelmshaven II; Militärgeistlicher Iurii Kuliievych, Roth; Militärgeistlicher Werner Heß, Leer; Regierungsamtsinspektorin Gudrun Janßen, Militärdekanat Kiel; Regierungsobersekretär Björn Bosbach, Militärdekanat Köln; Pfarrhelfer Jost Hamer, Kramerhof; Pfarrhelferin Diana Maria Handy, Rostock; Pfarrhelfer Adam Kania, Fürstenfeldbruck; Pfarrhelfer Christian Heindl, Bad Frankenhausen; Pfarrhelferin Eva Kern, Bruchsal; Pfarrhelferin Jennifer Strelow, Köln II und Pfarrhelferin Hildegard Sabel, Bogen.

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