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Der Leitende Militärdekan Rainer Schnettker begrüßt die Gäste des Empfangs im Ostermann Saal der Kölner Sartory Säle © Christina Lux

Der Leitende Militärdekan Rainer Schnettker begrüßt die Gäste des Empfangs im Ostermann Saal der Kölner Sartory Säle © Christina Lux

Dienst an den Menschen in der Bundeswehr

Festgottesdienst und Empfang aus Anlass des Jubiläums des ersten Standortgottesdienstes vor 60 Jahren

Der Auftrag ist immer noch der gleiche: Dienst am Soldaten als Mensch und Dienst für seine Angehörigen. Im Jahr 1956 feierte die Katholische Militärseelsorge ihren ersten Standortgottesdienst mit Bundeswehrsoldaten in Köln. Seitdem ist sie Kirche unter Soldaten, auch, wenn sich im Lauf der 60 Jahre manches verändert hat.

Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck im Gespräch mit den Gästen des Empfangs © Christina Lux

Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck im Gespräch mit den Gästen des Empfangs © Christina Lux

Unter den 200 Gästen beim Empfang aus Anlass des Jubiläums waren Soldatinnen und Soldaten, Militärseelsorger und viele ehemalige Militärgeistliche. Eingeladen hatte das Katholische Militärdekanat Köln. Jedes Jahr feiern die Kölner Militärgemeinden um den 10. Oktober, den Gedenktag des Heiligen Gereon, ihr Patronatsfest. In diesem Jahr hielt der Katholische Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr, Dr. Franz-Josef Overbeck, den Festgottesdienst in der Basilika St. Gereon. Anschließend lud der Leitende Militärdekan Rainer Schnettker zum Empfang ein.

Zeitzeugen im Gespräch: Prälat Heinrich Hecker (li.) und Prälat Hermann-Josef Kusen (re.) © Christina Lux

Zeitzeugen im Gespräch: Prälat Heinrich Hecker (li.) und Prälat Hermann-Josef Kusen (re.) © Christina Lux

Waren in den fünfziger und sechziger Jahren die Wehrpflichtigen die größte Zielgruppe der Militärseelsorge, sind es heute die Berufs- und Zeitsoldaten, aber auch die Freiwilligen Wehrdienst Leistenden. Entsprechend verstanden viele Militärpfarrer der damaligen Zeit „ihren Dienst als Fortsetzung der Jugendarbeit in einer Armee, die zum großen Teil aus Wehrpflichtigen bestand“. Diese Erfahrung berichtete Prälat Heinrich Hecker, der 1969 Katholischer Militärpfarrer in Schwanewede wurde. Später wurde er Leitender Militärdekan und auch Referatsleiter im Katholischen Militärbischofsamt in Bonn und war somit einer der wichtigsten Zeitzeugen unter den Gästen des Empfangs.

Oberstleutnant Peter Klein (re.), Stabsunteroffizier Loredana Catania (Mitte) und Christina Fuchs vom Bundessprachenamt in Hürth © Christina Lux

Oberstleutnant Peter Klein (re.), Stabsunteroffizier Loredana Catania (Mitte) und Christina Fuchs vom Bundessprachenamt in Hürth © Christina Lux

Hecker kam 1969 direkt aus der Jugendarbeit und noch heute merkt man ihm an, dass er leidenschaftlicher Jugendpfarrer war: interessiert, kritisch und herausfordernd begegnet er seinen Zeitgenossen. Als Priester des Bistums Essen hatte ihn Bischof Franz Hengsbach in den sechziger Jahren mit der Beratung von Kriegsdienstverweigerern beauftragt. Als er dann Militärpfarrer wurde, „ging“ Prälat Hecker den Jugendlichen an den Bundeswehrstandort „nach“, wie er sagt.

Militärgeneralvikar Reinhold Bartmann im Gespräch mit Brigadegeneral Georg Klein © Christina Lux

Militärgeneralvikar Reinhold Bartmann im Gespräch mit Brigadegeneral Georg Klein © Christina Lux

Wehrdienst oder Wehrersatzdienst – so hieß der Zivildienst offiziell – waren für ihn kein Widerspruch. Denn „als Kirche kümmern wir uns um Leute, die staatlichen Pflichtdienst machen müssen, in welcher Form auch immer“, so formuliert Hecker den Gedanken seines Bischofs. Auch Hengsbach war nicht nur Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Wehrersatzdienst Leistende, sondern gleichzeitig Katholischer Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr.

Militärbischof Overbeck im Gespräch mit Militärpfarrer Michael Kühn © Christina Lux

So begriffen Hecker und viele andere Militärpfarrer ihren Auftrag darin, Soldaten zu unterstützen, selbst eine Gewissensentscheidung für oder gegen den Militärdienst zu treffen. Dafür standen sie ihnen in persönlichen Gesprächen zur Verfügung. Gewissensbildung und Grundwissen über moralische Handlungsprinzipien sind auch heute Ziel des Lebenskundlichen Unterrichts – ein Ethik-Unterricht, den die Militärseelsorger für Soldatinnen und Soldaten anbieten.

Der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Köln I, Hauptmann Jürgen Dierich © Christina Lux

Der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Köln I, Hauptmann Jürgen Dierich © Christina Lux

Die Frage, ob und wie man Soldat und gleichzeitig Christ sein kann, stellten sich nicht nur Wehrpflichtige vergangener Jahrzehnte, sondern auch heutige Berufs- und Zeitsoldaten suchen darauf eine Antwort. So bedankte sich der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Köln I, Hauptmann Jürgen Dierich, in seiner Ansprache dafür, dass die Militärseelsorger ihn und seine Kameraden unterstützen, wenn es um eigene moralische Entscheidungen geht. Auch der Bundeswehr dankte er, dass Militärseelsorger für die Soldaten als Menschen und ihre Familien am Standort, aber auch im Einsatz da sind – als vertrauliche Gesprächspartner außerhalb der militärischen Hierarchie, aber dennoch nah an der Truppe.

Der Leiter des Archivs des Katholischen Militärbischofs, Dr. Markus Seemann, bei seinem Vortrag © Christina Lux

Der Leiter des Archivs des Katholischen Militärbischofs, Dr. Markus Seemann, bei seinem Vortrag © Christina Lux

Militärseelsorge in der Bundeswehr verstehe sich „als ganzheitliches Angebot der Lebenshilfe für Soldatinnen und Soldaten und ihre Familien“ und sei eben nicht auf Gottesdienste und Verkündigung reduziert, sagte Militärbischof Overbeck in seiner Predigt. Deshalb stehen Familienwochenenden, Werkwochen oder Wallfahrten allen Bundeswehrangehörigen offen, egal ob sie gläubig sind oder nicht. Im Gegensatz zu den fünfziger und sechziger Jahren bekennen sich heute etwa die Hälfte aller Soldatinnen und Soldaten zu einer Religionsgemeinschaft. 1956 gehörten noch 96 Prozent einer christlichen Kirche an, wie Dr. Markus Seemann in seinem Vortrag erklärte. Der Leiter des Archivs des Katholischen Militärbischofs in Berlin zeigte Schlaglichter und Veränderungen der letzten 60 Jahre in der Katholischen Militärseelsorge.

Oberstleutnant Stefan Heydt (re.) im Gespräch mit einem Kameraden. © Christina Lux

Oberstleutnant Stefan Heydt (re.) im Gespräch mit einem Kameraden. © Christina Lux

Dazu gehört sicherlich die gewachsene Bedeutung der Bundeswehr in der Welt und der Wandel zu einer Einsatzarmee seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Seitdem werden auch katholische und evangelische Militärseelsorger in die Einsatzgebiete der Bundeswehr entsandt.
Doch nach wie vor gilt in der Militärseelsorge, was auch der damalige Erzbischof von Köln, Josef Kardinal Frings, in seiner Predigt beim ersten Standortgottesdienst 1956 sagte: „Soldatenstand ist also keineswegs Selbstzweck, sondern ist Dienst für andere, und die Menschheitsentwicklung sollte dahin gehen, dass immer weniger bewaffnete Macht notwendig wäre, um den Frieden in der Welt aufrecht zu erhalten, Ziel allen Soldatentums ist nicht der Krieg, sondern der Frieden!“

Barbara Dreiling




Video bei domradio







Militärbischof Overbeck bei der Predigt © Christina Lux

Militärbischof Overbeck bei der Predigt © Christina Lux

Overbeck: "Es geht um den Frieden."

Festgottesdienst im Gedenken an den ersten Standortgottesdienst im Jahr 1956

Köln, 06.10.2016. In Erinnerung an den Soldaten-Gottesdienst mit Josef Kardinal Frings am 10. Oktober 1956 in der teilweise kriegszerstörten Gereon-Kirche, feierte der Katholische Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr ein Pontifikalamt mit 200 Gästen aus Bundeswehr und Militärseelsorge.

Festgottesdienst in St. Gereon © Christina Lux

Festgottesdienst in St. Gereon © Christina Lux

In seiner Predigt schlug Dr. Franz-Josef Overbeck, zugleich Bischof von Essen, Brücken von der Ernennung seines ersten Vorgängers, Joseph Kardinal Wendel, am 4. Februar 1956, über die ersten Schritte der neuen Katholischen Militärseelsorge und das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) bis hinein in dieses Jahrhundert mit neuen Herausforderungen für die Soldatinnen und Soldaten wie auch für die Kirche. Mit Blick auf den Zweiten Weltkrieg sagte er wörtlich: „Ein wie immer gearteter Geist des Militarismus oder eines ungebrochenen Freund-/Feind-Denkens darf niemals mehr Raum gewinnen!“

Militärbischof Overbeck und Konzelebranten © Christina Lux

Militärbischof Overbeck und Konzelebranten © Christina Lux

Militärbischof Overbeck benannte fünf „Aufgabenfelder … des seelsorglichen Handelns für die Militärseelsorge“. Als erstes wies er auf die ethische Bildung und Führungskultur hin: „… wir, die Verantwortlichen der Militärseelsorge, [werden] mit großem Nachdruck immer wieder darauf hinweisen …, dass die sittlichen Grundlagen des soldatischen Dienstes und die bewährten Prinzipien der Menschenführung nicht zur Disposition stehen.“ Ferner griff er das aktuelle Thema einer islamischen Militärseelsorge auf: „Es muss sich zudem erweisen, welche Form von Militärseelsorge für die Soldatinnen und Soldaten gefunden wird, die keine Christen sind, aber religiös gebunden leben, wie z. B. die Muslime unter den Soldatinnen und Soldaten.“

Teilnehmer des Festgottesdienstes © Christina Lux

Teilnehmer des Festgottesdienstes © Christina Lux

Abschließend dankte Militärbischof Franz-Josef Overbeck allen, „die in der Militärseelsorge ihren Dienst getan haben und tun.“ Er setzte hinzu: „Es geht um Gott und den Menschen in seiner Würde. Es geht um den Frieden. Diese Linie setzen wir unbeirrbar fort.“ (JV)

 

 

 

Predigt des Katholischen Militärbischofs

20161006_Predigt_Koeln.pdf

In seiner Predigt schlug Dr. Franz-Josef Overbeck Brücken von der Ernennung seines ersten Vorgängers, Joseph Kardinal Wendel, am 4. Februar 1956, über die ersten Schritte der neuen Katholischen Militärseelsorge und das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) bis hinein in dieses Jahrhundert mit neuen Herausforderungen für die Soldatinnen und Soldaten wie auch für die Kirche.

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Overbeck: Militärseelsorge wegen Terror neu gefordert - Bericht der KNA

 

 

Köln (KNA) Angesichts des IS-Terrors sieht der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck größere Herausforderungen für die Seelsorge unter Bundeswehrsoldaten. Das Maß der Bedrohung sei so groß, dass eine verantwortungsbasierte gewaltsame Abwehr gerechtfertigt zu sein scheine, sagte Overbeck am Donnerstag in Köln. Das Beispiel zeige die Notwendigkeit, dass die Kirche den Soldaten mit ethischem Nachdenken auf der Grundlage von Moraltheologie und Friedensethik nah sein müsse.

Dabei gehe es immer auch um das Ziel der Deeskalation, sagte Overbeck. Wer aus einem solchen Geist der Verantwortung handele,  benötige ein entsprechend gebildetes Gewissen. Gerade unter den neuen sicherheitspolitischen und militärischen Umständen müssten die sittlichen Grundlagen des soldatischen Dienstes neu erkannt und zur Geltung gebracht werden. "Die Militärseelsorge sehe ich hier vor einer großen Aufgabe", so der Bischof.

Die Soldaten benötigten gerade für Auslandseinsätze eine ethisch qualifizierte Begleitung, sagte Overbeck. "Hier wird ein Dienst aus christlicher Verantwortung und kirchlichem Selbstverständnis heraus für das Gemeinwohl geleistet, der weit über den Raum der Kirche hinaus weist."

Der Bischof bekräftigte seine Forderung nach einer muslimischen Militärseelsorge. Wie das christliche Angebot dürfe diese nicht auf Gottesdienst und Verkündigung beschränkt bleiben, sondern müsse auch ethische Bildung und Beratung in Krisensituationen umfassen.

Overbeck äußerte sich bei einem Gottesdienst in der Kölner Kirche Sankt Gereon. Dort hatte vor 60 Jahren - am 10. Oktober 1956 - der damalige Kölner Erzbischof, Kardinal Josef Frings, den ersten Standortgottesdienst der neu gegründeten Bundeswehr mit rund 400 Soldaten gefeiert. Wenige Monate zuvor, am 4. Februar 1956, war mit dem Münchner Kardinal Joesph Wendel der erste katholische Militärbischof für die Bundeswehr ernannt worden.

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